Am 9. und 10. Mai bringen das Publishers‘ Forum und THE ARTS+ der Frankfurter Buchmesse in einer Kooperation die wichtigsten Zukunftsthemen und führenden Vordenker*innen der Verlagswelt und Creative Industries zusammen. Sind Sie dabei?

Die ansprechendsten Stories herausfischen: mit Machine Learning

Die Karten im Geschäft mit Inhalten werden neu gemischt. Eben hat Wattpad, die weltweit agierende Autor*innen-Plattform mit Stammsitz in Toronto, angekündigt, nun auch einen eigenen Verlag zu gründen, Wattpad Books. Ziel sei es, aus einer globalen Community von 70 Millionen Nutzer*innen neue Stimmen und neue Ansätze für Stories zu entdecken – für ein wiederum weltweites Lesepublikum.

Der Ansatz ist radikal technologiegetrieben: Wattpad hat eine „DNA Machine Learning“-Technologie entwickelt, die erlaubt, aus 565 Millionen auf die Plattform geladenen Geschichten über die systematische Auswertung von Milliarden einzelner Datenpunkte internationale Lese-Trends herauszufiltern. Die vielversprechendsten Geschichten will Wattpad Books schließlich zwischen Buchdeckeln zusammenfassen.

Wie diese Prozesse im Einzelnen ablaufen, wird Ashleigh Gardner, die frisch gekürte Chefin von Wattpad Books, erklären.

Verlage haben auch in den neuen Modellen ihren Platz – aber die Funktionen verschieben sich nachhaltig. Wattpad kooperierte schon bislang etwa mit Hachette in Großbritannien. Und in den USA wird künftig Macmillan die Auslieferung für Wattpad Books organisieren.

Wer gewinnt die besten Geschichten für sich – und wie?

Aber bleiben Verlage erster und wichtigster Ansprechpartner für die besten Autor*innen? Oder verlagern die ihre Aufmerksamkeit zunehmend gleich hin zu TV-Produktionsfirmen, Entwicklern komplexer Games-Erzählungen, oder suchen sie in Verwertungs-Plattformen ihre bevorzugten Partner*innen? Olivia Hetreed, derzeit Präsidentin der britischen Writer’s Guild, Filmemacherin und Produzentin, kann dazu ein besonders breites Spektrum an Erfahrungen ausrollen.

Wie kann der kreative Sektor strategisch die Lücke zur technologischen Innovation überbrücken – und damit attraktiv und konkurrenzfähig bleiben? Denn die aktuelle Kluft zwischen Creative Industries und Digitalen Vorreitern birgt die Gefahr, dass traditionelle Anbieter wie Verlage ihre Schlüsselstellungen einbüßen und zu reinen Dienstleistern werden, weiß Holger Volland, Vize-Präsident und Mitglied der Geschäftsleitung der Frankfurter Buchmesse und Autor des Buchs „Die kreative Macht der Maschinen: Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken“.

Blick auf London und Barcelona als Kreativ-Standorte

Die Debatte über Innovation und sich verändernde Rollen der Akteure findet freilich nicht in abstrakten Räumen statt, sondern ist eingebettet in politische Realitäten. London und Barcelona, zwei von Europas führenden Zentren der Kreativ-Industrien und Verlage, werden deshalb exemplarisch beleuchtet:

Emma House, Deputy CEO der Publishers Association, UK, informiert über die Auswirkungen des Brexit und das Potenzial der Internationalisierung im Verlagsgeschäft.

Patrici Tixis, Präsident des katalanischen Verleger*innen-Verbands und Kommunikationschef der größten spanischsprachigen Verlagsgruppe Planeta wird das Creative Industry Labor Barcelona porträtieren.