Karla Paul kritisierte angesichts des kürzlich diagnostizierten Leserschwunds die Tendenz der Verlage, die Leser zu „erziehen“ statt ihre Bedürfnisse zu erkennen. Die Nutzerzahlen von Plattformen wie wattpad und lovelybooks würden zudem zeigen, dass Litatur viele (junge) Menschen interessiert.

Was Leser kaufen möchten, können ihrer Meinung nach am Besten Daten aussagen — und nicht das Bauchgefühl der Vertriebsmitarbeiter. „Die meisten Verlage produzieren weiterhin auf gut Glück“ — nicht wissend, was die Leser eigentlich möchten, ihre Wünsche nicht erfüllend. Die Buchbranche stehe eher für ein „das haben wir immer schon so gemacht“.

Jonathan Beck widersprach der Aufforderung, das zu machen, was die Leser wollen, sondern eben auch das, was man selber wolle. Denn das zu tun sei auch ein starker Antrieb für die eigene Arbeit. Auch deshalb seien vielleicht auch so viele Verlage noch in Familienhand.

Marguerite Joly, Ullstein, stellte vorablesen.de vor. Sie meinte, „wir müssen (auch durch diese Plattform für Leseproben) für mehr Entdeckungsmomente sorgen“ — und eben nicht einfach dem Leser geben, was er will. Viele seien festgefahren in ihren Genres, wie Krimis, und könnten dadurch auf andere Bücher kommen.

Jan Lenarz von „Ein guter Verlag“ hat zusammen mit seiner Partnerin nach einer Burnout-Erkrankung seinen eigenen Verlag gegründet —mit einem erfolgreichen Titel über „Achtsamkeit“. Jonathan Beck sagte dazu, das sei doch ein Beispiel für ‚erkenne dich selbst‘ und nicht ‚erkenne deinen Leser‘. Dem widerprach Jan Lenarz zum Teil, denn er habe bewusst Umfragen gemacht, was die Leser intersssieren würde. Denn das Buch wurde über Crowdfunding finanziert. Es sei aber auch so, dass viele Themen, die andere interessieren, man selber furchtbar finde.

Marguerite Joly wünschte sich in der Diskussion, dass die Buchbranche gemeinsam versucht, Antworten auf den Leserschwund zu finden.

Jonathan Beck wünscht sich mehr „Verführung“ durch die Branche, aber ob Datenanalysen dazu führen?

Jan Lenarz meinte: „Newsletter sind das neue Facebook.“ 80% der Arbeit für den Verlag bestehe darin, gute Inhalte für Social Media zu schaffen.